Interview mit Dr. med. Marian Mackowski
PIP-/Rofil-Implantate – was tun?
Sie tragen ein Implantat der Firmen PIP oder Rofil? Oder interessieren Sie sich für eine Brustvergrößerung und sind aus aktuellem Anlass stark verunsichert, was Sie tun sollen? In unten stehendem Interview mit unserem Ärztlichen Leiter aus Hamburg, Dr. med. Marian S. Mackowski, einem der weltweit erfahrensten Brustchirurgen, erfahren Sie, wie Sie einen vertrauenswürdige Klinik erkennen und was wir Ihnen für den Fall, dass Sie minderwertige Brustimplantate tragen, empfehlen.
MMO: Inwiefern unterscheiden sich die von Mang Medical One verwendeten Implantate von Brustimplantaten der Hersteller PiP und Rofil? Warum können Brustimplantate von Allergan keine Risse bekommen und warum müssen Mang Medical One Patientinnen deshalb nicht zu befürchten, dass ihre Gesundheit gefährdet ist?
Dr. med. Marian Mackowski: Die Mang Medical One verwendet überwiegend die Implantate des Marktführers Allergan, ehemals Inamed. Seit 4 Jahrzehnten ist dieser Hersteller mit Sitz in den USA bei Brustimplantaten weltweit wegweisend. Die Produkte des Premiumherstellers Allergan zeichnen sich durch ein hochwertiges Gel aus, das den anspruchsvollsten Qualitätsstandards gerecht wird. Es hat die Konsistenz eines weichen Gummibärchens, d.h. es ist formstabil, kann nicht auslaufen, ist kompressionsstabil und wird nur durch scharfe Gegenstände beschädigt. Damit ist es nach der Implantation sicher, stabil und muss bei nachweislich sehr guter Verträglichkeit auch nicht ausgetauscht werden. Zahlreiche Studien haben inzwischen bewiesen, dass das Risiko für eine Krebserkrankung sicher ausgeschlossen werden kann.
MMO: Viele Frauen, die sich eine Brustvergrößerung wünschen, werden durch die negativen Schlagzeilen über Pip und Rofil stark verunsichert sein. Können Sie diesen Frauen einige Tipps mit auf dem Weg geben, wie sie eine vertrauensvolle Klinik für ihre Brustkorrektur finden? Woran können Frauen erkennen, ob ein Hersteller qualitativ hochwertige Brustimplantate anbietet? Gibt es Gütesiegel, die Implantate als sicher kennzeichnen?
Dr. med. Marian Mackowski: Die Brust ist die emotional am stärksten besetzte Region des weiblichen Körpers und stellt ein wesentliches Identifikationsmerkmal dar. Jede Frau, die eine Brustkorrektur mit Hilfe von Implantaten wünscht muss mehrere Punkte beachten. Die Brustvergrößerung gehört weltweit zu den häufigsten und lohnendsten Prozeduren in der plastischen Chirurgie. In den letzten 20 Jahren hat eine große Entwicklung sowohl im Bereich der Implantate als auch der Operationstechnik stattgefunden. Meine Empfehlung für alle potentiellen Patientinnen ist, dass sie sich einen Arzt aussuchen, der sich seit Jahren auf diese Operationsart spezialisiert hat und über große Erfahrung verfügt. Diese zeigt sich in der Qualität des Konzeptes, d.h. in der Art der Patientenaufklärung, der individuellen Gewebeuntersuchung und der präoperativen Entscheidungsfindung bezüglich der Technik und der Wahl des Implantates (Hersteller, Kosten, etc…) Es gibt auf dem Markt über 20 verschieden Firmen, die Implantate vertreiben bei Preisen zwischen 100,- bis 600,- €. Die überzeugendste Qualität bieten Allergan und Mentor, sie kosten aber auch entsprechend mehr. Die Patientin muss in die Entscheidung eingebunden werden und der Arzt muss bei der Wahrnehmung seiner Aufklärungspflicht redlich Rede und Antwort stehen. Die ethischen Prinzipien der Schadensvermeidung und der Fürsorge müssen hier absolut im Vordergrund stehen.
MMO: Mit welchen gesundheitlichen Folgen müssen Frauen rechnen, die sich Brustimplantate von Pip oder Rofil einsetzen ließen? Welche Auswirkungen kann austretendes Silikon für den Körper haben? Ist auch eine Blutvergiftung möglich?
Dr. med. Marian Mackowski: Ich glaube, dass die zurzeit herrschende Panikstimmung keine gute Ausgangsbasis ist für eine vernünftige Werteaussage. Spekulationen führen nur zu einer weiteren Verunsicherung der Betroffenen. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM ) empfiehlt die Entfernung der Implantate und wir schließen uns dieser an.
MMO: Kann mit Hilfe einer Kernspinthermographie oder eines anderen Verfahrens ermittelt werden, ob die Hülle eines Brustimplantats bereits beschädigt ist bzw. ob schon Silikon ausgetreten ist?
Dr. med. Marian Mackowski: Die Untersuchung mittels Ultraschall gibt eine erste gute Übersicht über den Zustand der Implantate. Bei unklaren Situationen kann eine Kernspintomographie weiteren Aufschluss geben.
MMO: Wie würden die Resultate eines Implantatwechsels aussehen?
Dr. med. Marian Mackowski: Zunächst einmal möchte ich darauf hinweisen, dass diese Implantatwechsel-Operationen nur von sehr erfahrenen Kollegen vorgenommen werden sollten. Es bedarf einer hohen Kunstfertigkeit, wenn, wie in diesem speziellen Fall, die gesamte Kapsel entfernt werden muss. Sind übliche Wechseloperationen an sich schon aufwendig, dann stellt die hier angesprochene Situation einen sehr hohen Anspruch an die chirurgische Leistungsfähigkeit dar und sollte nur von ausgewiesenen Spezialisten ausgeführt werden. Dann sind auch schöne und stabile Ergebnisse zu erwarten.
MMO: Auch in deutschen Kliniken wurden Brustimplantate von PiP und Rofil eingesetzt. Wie können Frauen erfahren, von welchem Hersteller ihre Brustimplantate stammen? Müssen Patientinnen auf die Aussagen ihres Arztes vertrauen oder bekommen Patientinnen vor einer Brustvergrößerung spezielle Dokumente ausgehändigt, die Auskunft über die Herstellerfirma geben?
Dr. med. Marian Mackowski: In der Regel bekommen die Patientinnen nach erfolgter Brustvergrößerung einen Implantatpass ausgehändigt, in dem der Herstellername, die Art und Größe des verwendeten Produktes und die Produktnummer eingetragen sind. Zusätzlich trägt er den Namen der Klinik und die Unterschrift des Operateurs.
WICHTIG: Ich möchte ergänzen, dass es nicht nur Implantate der französischen Firma PIP betrifft, sondern auch Implantate des niederländischen Herstellers Rofil Medical Nederland B.V. mit den M-Implants Modellbezeichnungen IMGHC-TX, IMGHC-MX und IMGHC-LS.